Strahlentherapie

Ein Meilenstein in der Krebsbehandlung von Kleintierpatienten ist in der Tierarztpraxis Bestensee gesetzt worden. Durch den Bau eines modernen Behandlungshauses aus einem ehemaligen Transformationsgebäude mit einem modernen Behandlungszentrum und den dazugehörigen medizintechnischen Einrichtungen, wie einem modernen Röntgentiefentherapiegerät, ist erstmals in unserer Umgebung die Bestrahlung von krebskranken Tieren möglich. Auf Initiative von Prof. Hans Wunderlich und dank der konstruktiven Mitarbeit eines ausgewiesenen Fachmannes allerdings der Humanmedizin, Prof. Hubert Vogler aus Bad Saarow, konnte pünktlich zu Beginn des Frühjahres der Probebetrieb in der neuen Kleintieronkologie aufgenommen werden. Das Röntgentherapiegerät ist ein modernes Strahlentherapiegerät, das eine exakt dosierte und zielgerichtete Bestrahlung von Tumoren ermöglicht. Der besondere Vorteil des Gerätes liegt in der präzisen und effektiven Behandlung von bisher chirurgisch nur schwer oder unvollständig behandelbaren Tumorerkrankungen. Dadurch können beispielsweise Krebserkrankungen im Bereich des Kopfes (Gehirn-, Maul- oder Nasentumore) behandelt werden.

 

Das moderne Konzept der onkologischen Behandlung verbindet Strahlentherapie, Chirurgie, Chemotherapie und neue medizinische Behandlungsmöglichkeiten und nutzt diese gebündelte Expertise, um eine wirksame Tumorbekämpfung bei Tieren zu ermöglichen. In der Humanmedizin ist die Strahlentherapie neben der Chirurgie bereits die wichtigste Behandlungsmethode gegen Krebs. In der Tierarztpraxis Bestensee kann diese Therapieform nun zum Wohle unserer tierischen Patienten eingesetzt werden und erlaubt eine wirksame Tumorbekämpfung mit maximaler Überlebenszeit bei erhaltener Lebensqualität für das Tier.

Worum geht es hier, um heilen oder lindern? Um beides! Bei der Behandlung von Krebspatienten unterscheidet man grundsätzlich zwischen kurativer (heilender) und palliativer (lindernder) Therapie. Einige Krebsformen können geheilt werden (kurative Therapie), bei anderen kann man das Wachstum verlangsamen und dem Tier eine bessere Lebensqualität bieten (palliative Therapie). Die Therapieform in der Onkologie, das ist fast genauso wie bei den Menschen, bestehen aus Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie. Während Chemotherapeutika eingesetzt werden um Metastasen zu bekämpfen oder ein diffuses Tumorgeschehen zu behandeln, sind die Chirurgie und die Strahlentherapie lokale regionäre Behandlungsmethoden. Viele Tumortypen benötigen eine Kombination dieser Behandlungsformen, um eine optimale Tumorkontrolle zu erreichen. Die chirurgische Behandlung von Tumoren steht in der Veterinärmedizin im Vordergrund. An anatomisch schwierigen Lokalisationen oder bei Tumoren, die ins umliegende Gewebe einwachsen, vermag unter Umständen die Strahlentherapie bessere Resultate zu erbringen.

Gerade im Kopfbereich ist es aus funktionellen und kosmetischen Gründen oft nicht möglich, einen Tumor vollständig zu entfernen. Ähnlich schwierig ist es im Bereich der Wirbelsäule und des Rumpfes. Wenn ein Tumor nicht mit genügend großen "Sicherheitsrändern" entfernt werden kann, empfiehlt es sich, vor der Chirurgie abzuwägen, ob eine Strahlentherapie für das Tier nicht die bessere Therapieform darstellen könnte. Auch eine kombinierte Therapie (Chirurgie/Strahlentherapie) ist in bestimmten Fällen angezeigt.

 

Strahlentherapie ist generell bei lokalen, selten oder spät metastasierenden Tumoren angezeigt. Um den Tumor so stark wie möglich zu bestrahlen und gleichzeitig das umgebende Gewebe zu schonen, wird ein auf das Tier individuell zugeschnittener Therapieplan erstellt. Bei Tumoren im Kopfbereich und an anderen komplizierten anatomischen Lokalisationen sind für eine optimale Planung oft zusätzliche bildgebende Verfahren notwendig. Wir unterscheiden zwei Behandlungsprotokolle in der Strahlentherapie: kurativ: mit einer kurativen Strahlentherapie wird versucht, den Tumor vollständig zu sterilisieren und abzutöten. Diese Form der Behandlung ist nicht bei allen Arten von Tumoren möglich, da diese eine unterschiedliche Strahlenempfindlichkeit aufweisen. Auch ist diese Therapie mit vorübergehenden Nebenwirkungen verbunden (Strahlenreaktionen). Diese Therapie ist bei gewissen Tumoren und vor allem bei jüngeren, ansonsten gesunden Tieren angezeigt.
Palliativ: Tumoren, die eine hohe Tendenz zur Metastasierung haben (Knochentumoren u.a.) kann man durch eine weniger intensive Strahlentherapie für eine gewisse Zeit im Wachstum bremsen. Ebenfalls können durch die Strahlentherapie die Schmerzen vorübergehend reduziert werden.

Die Nebenwirkungen sind gering. Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind in der Regel auf das bestrahlte Feld beschränkt und präsentieren sich in der akuten Phase am stärksten, vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Bei palliativen Therapien sind sie deutlich geringer als bei der kurativen Therapie.